de:passport:therac-25
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| + | ====== Therac-25: Die Fehlermeldung, | ||
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| + | Die **Therac-25** ist ein sogenannter //linearen Beschleuniger (Linac)// , der in den 1980er Jahren vor allem zur Strahlentherapie von Krebsgeschwüren eingesetzt wurde. Obwohl er zu den modernsten Geräten seiner Zeit zählte, blieben sein Einsatz und seine Verbreitung gerade wegen der aufgetretenen Unfälle begrenzt. Insgesamt wurden nur 11 Exemplare davon von der **AECL** (//Atomic Energy of Canada Limited//); 5 Geräte waren in den Vereinigten Staaten und 6 in Kanada im Einsatz. | ||
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| + | Das Gerät schien im Vergleich zu den Vorgängermodellen (Therac-6, Therac-20) wesentlich effizienter zu sein, da zum einen die Techniker dank der computergesteuerten Regelung weniger manuelle Einstellungen vornehmen mussten, sodass sie an einem Tag mehr Patienten behandeln konnten, und andererseits nahm das Gerät dank einer neuen Technologie weniger Platz ein, wodurch die Installation in den Krankenhäusern kostengünstiger war. | ||
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| + | Die Behandlungen mit dem Therac-25 fanden im Wesentlichen an zwei Orten statt – im strahlungsgeschützten Behandlungsraum und im externen Kontrollraum – und erfolgten nach einem strengen, durch die Softwareunterstützung jedoch beschleunigten Protokoll. | ||
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| + | Zunächst legte der Radiologietechniker den Patienten auf den Behandlungstisch, | ||
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| + | Anschließend verließ der Techniker den geschützten Raum und gab am externen Terminal (mithilfe von Tastatur und Monitor) die Patientendaten sowie den Behandlungsplan ein: den Betriebsmodus (Elektron oder Röntgen), die Energiestufe und die Dosis. Die Software verglich die am Terminal eingegebenen Daten mit den mechanischen Einstellungen des Geräts. Bei Übereinstimmung erschien die Meldung // | ||
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| + | ===== Die verhängnisvolle „Schnelligkeit“ ===== | ||
| + | Erfahrene Bediener bedienten die Tastatur äußerst schnell und routiniert. Manchmal kam es vor, dass der Bediener versehentlich „X“ (Röntgenmodus) eingab, dann blitzschnell zurückging und dies in „E“ (Elektronenmodus) korrigierte. Geschah diese Korrektur innerhalb von 8 Sekunden, zeigte die Software den neuen Modus an, doch (was dem Bediener nicht auffiel) die interne Mechanik des Geräts (die Drehscheibe) hatte die Umstellung nicht rechtzeitig vollzogen. | ||
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| + | Das Gerät meldete den Fehler zwar mit der nichtssagenden Meldung „**Malfunction 54**“ an, dessen Bedeutung // | ||
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| + | Als der **„Malfunction 54“** erschien, schaltete sich das Gerät nicht in einen Not-Aus-Zustand, | ||
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| + | Auf dem Bildschirm erschien neben dem Fehler die Meldung //„No dose“// (keine Dosis), das heißt, das Gerät gab an, noch überhaupt keine Strahlung abgegeben zu haben. Der Bediener drückte daher beruhigt auf „Weiter“, | ||
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| + | Die Techniker sahen täglich bis zu 40 ähnliche Fehlermeldungen, | ||
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| + | In mehreren Fällen gaben Patienten nach den Behandlungen an, dass etwas nicht in Ordnung sei. Ray Cox, eines der Opfer, berichtete von einem // | ||
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| + | Als das Krankenhaus in Tyler das Problem schließlich doch erstmals bei AECL meldete, reagierte der Hersteller (ziemlich arrogant) mit der Aussage, dass es mit dem Therac-25 noch nie zu einer Strahlenüberdosis gekommen sei. Man behauptete, das Gerät sei sowohl hardwaremäßig als auch softwaremäßig sicher, und führte den Fehler auf einen elektrischen Kurzschluss, | ||
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| + | ===== Fritz Hagers private Ermittlungen ===== | ||
| + | **Fritz Hager**, der im **East Texas Cancer Center** in Tyler, Texas, tätig war, akzeptierte die Antworten des Herstellers nicht. Als im April 1986 ein zweiter Patient bei demselben Techniker dieselben höchst verdächtigen Phänomene beobachtete, | ||
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| + | Hager und der Techniker probierten das Gerät stunden- und tagelang aus, doch es funktionierte einwandfrei. Schließlich kamen sie dem Geheimnis auf die Spur: Der Techniker musste so schnell tippen, wie er es im täglichen Arbeitsablauf gewohnt war. Als es Hager gelang, die Reparatur innerhalb von 8 Sekunden durchzuführen, | ||
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| + | Hager brachte daraufhin Messgeräte am Bett, an der Stelle des Patienten, an und stellte entsetzt fest, dass die Maschine das Hundertfache der vorgesehenen Dosis abgab. Angesichts dieses Beweises konnte der Hersteller nichts mehr ausrichten: Er war gezwungen, eine interne Untersuchung einzuleiten, | ||
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| + | Hager erkannte, dass die Ingenieure des Herstellers den Fehler nicht entdecken konnten, weil sie //„mit der für Ingenieure typischen Langsamkeit“//; | ||
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| + | Schließlich wurde im Rahmen der Untersuchung festgestellt, | ||
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| + | Als der Bediener vom Röntgenmodus in den Elektronenmodus wechselte, startete die Software einen Prozess zur Bewegung der Scheibe. Wenn der Bediener die Korrektur jedoch innerhalb von 8 Sekunden vornahm, sah ein Teil der Software bereits die neuen Daten, während der für die physikalische Einstellung des Geräts zuständige Teil noch den alten Zustand beibehielt. | ||
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| + | ===== Folgen =====Die Tragödie um den Therac-25 erschütterte die Regulierung medizinischer Geräte und die Ethik der Softwareentwicklung in ihren Grundfesten. | ||
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| + | Mehrere überlebende Opfer und Angehörige der Verstorbenen reichten Schadensersatzklagen gegen AECL und die behandelnden Krankenhäuser ein. Die Parteien einigten sich schließlich in allen Fällen außergerichtlich, | ||
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| + | Die US-amerikanische FDA (Food and Drug Administration) erklärte das Gerät 1987 für fehlerhaft und ordnete die Stilllegung aller Therac-25-Geräte an, bis der Hersteller die erforderlichen Änderungen vorgenommen hatte. | ||
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| + | An den Geräten wurden schließlich mehr als 20 Änderungen vorgenommen; | ||
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| + | Der Entwickler der Software wurde nie öffentlich genannt. Im Laufe der Untersuchungen stellte sich heraus, dass die gesamte Steuerungssoftware von einer einzigen Person in der Assemblersprache PDP-11 geschrieben worden war. Auch in den späteren Gerichtsverfahren konnten die Verteidiger den Programmierer nicht identifizieren und erfuhren nichts über seinen Bildungshintergrund oder seine bisherigen Erfahrungen. Bekannt ist lediglich, dass der Programmierer 1986 – noch bevor sich der Skandal vollständig entfaltete – AECL verließ. | ||
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| + | Der Therac-25 ist seitdem in der Ausbildung zum Softwareingenieur // | ||
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| + | Fritz Hager lebt noch immer, hat sich jedoch seit den Ereignissen der 1980er Jahre aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Vor kurzem (Ende 2024) äußerte er sich in einem Fachinterview, | ||
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| + | In einer aktuellen Veröffentlichung erklärte er, dass die Vorfälle mit dem Therac-25 in der Geschichte der Strahlentherapie einzigartig seien und es wichtig sei, dass diese //„im Klassenzimmer gelernt werden und nicht auf Kosten von Menschenleben“// | ||
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